Bündner Nusstorte vegan


Fragt die Veganerin den Karnivoren: Gibt’s deine Bündner Nusstorte auch vegan? Meine erste Reaktion auf diese Frage war: Das wird nichts. Die viele Butter im Teig ist nun mal nicht nur Fett, sondern trägt auch sehr viel zum Geschmack des Mürbeteigs bei. Der Hafer hat mich dann aber doch gestochen, nicht zuletzt auch um den Beweis erbracht zu haben: Das wird nichts, ich hab’s doch gesagt.

Was gilt es denn nun alles zu ändern, damit man dem guten Stück den „Vegan“-Haken aufdrücken kann? Im Teig sind das Butter und Ei. Butterersatzprodukte mit Palmöl und Härtern sind des Teufels und kamen für mich nicht in Frage, viele sind auch nicht geeignet zum Backen bei hohen Temperaturen. Also musste es ein neutral schmeckendes Fett sein. Nach etwas Recherche und Rumfragen bin ich auf Kokosfett gestossen. Meine Bedenken, die Nusstorte könnte nach dem Backen nach Kokosmakrönli schmecken, wurden alsbald zerfleddert: dieses Fett schmeckt etwa so wenig nach Kokos wie Schweineschmalz nach Schwein schmeckt. Das Ei habe ich einfach weggelassen und durch Wasser ersetzt. Den Teig hätten wir damit schon mal im Trockenen.

Um die Füllung vegan hinzubekommen, mussten Vollrahm und Honig ersetzt werden. Bei Alnatura habe ich diverse Rahm-Ersatzprodukte gefunden. Ein erster Versuch mit einem dickflüssigen Etwas auf Hafer-Basis scheiterte, bzw. wurde meinen Ansprüchen nicht gerecht: hat wie Holz geschmeckt und das Karamell wurde nach dem Abkühlen nicht genügend fest. Nüsse abspülen, nächster Versuch: Sojarahm, gibt’s auch in der Migros. Kommt hin. Den Honig habe ich einfach weggelassen, die Füllung schmeckt auch ohne das Bienenprodukt ausgezeichnet. Ausserdem hat mir ein zu geschmacksintensiver Honig das eine oder andere Mal die Füllung versaut. Ich habe also mit einem lachenden Auge auf ihn verzichtet.

Etwas mehr Fingerspitzengefühl als das Original verlangte dann der Teig beim Verarbeiten: Er war viel brüchiger, bzw. die richtige Temperatur musste nach dem Kühlschrankgang abgewartet werden, bis er geschmeidig genug war, um ihn in die Form zu drücken. Positiv überrascht war ich dann, wie schön goldbraun er beim Backen geworden war. Und ebenso positiv überrascht war ich, wie fein sie schmeckt. Der Honig in der Füllung fehlt mir nicht, bloss der Buttermürbeteig schmeckt nach meinem Dafürhalten besser. Andere wiederum – nicht nur Veganer – fanden die vegane Variante besser als das Original. Fazit: Ist wider Erwarten doch was geworden, die vegane Variante der Bündner Nusstorte.

Hier geht’s zum Rezept.