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Die beste Baguette der Stadt Zürich


Baguette

In Zürich ging letztes Wochenende der Slow-Food-Markt über die Bühne. Kurz davor war im Tages-Anzeiger ein Interview mit der Präsidentin von Slow Food Schweiz abgedruckt. Als grosser Freund von gutem Brot war mir nach der Lektüre dieses Interviews insbesondere ein Name haften geblieben, der ganz nebenbei erwähnt worden war: Seri Backhandwerk.

Richtiggehend hellhörig wurde ich aber erst, nachdem ich mich auf der Website dieses Herrn namens Seri erkundigt hatte, was genau er denn eigentlich tut. „Boulanger Amateur“ sei er, stand da, eine Microbäckerei habe er. Und zuoberst auf seiner Homepage drei Worte: „Mission: Best Baguette“. Dieses Statement kann bei mir nur eines auslösen: muss ich probieren. Seit dem einen oder anderen Frankreich-Aufenthalt suche ich hierzulande oder auch sonstwo immer wieder Weissbrotstangen, die es auch nur im Entferntesten mit den meisten französischen Produkten aufnehmen können. Eine frische, knusprige Baguette, etwas Käse und Trockenfleisch, ein Glas Wein – da könnte ich glatt den nachfolgenden Hauptgang links liegen lassen.

Da er keinen Laden hat, der Seri, sondern nur Catering macht und die Baguettes in der Stadt Zürich nach Hause liefert, muss man ihn anrufen, wenn man eine möchte. Habe ich selbstverständlich sofort getan und dabei erfahren, dass man sie ab 17.11.2015 im Café Schober im Niederdorf und in der Milchbar am Paradeplatz kaufen könne. So lange konnte ich mich noch gedulden, den Termin hatte ich mir aber gleich in der Agenda vorgemerkt.

Tags darauf kam ich ins Büro und staunte nicht schlecht: auf dem Tisch stand eine Papiertasche mit „Seri“-Stempel drauf, daraus lugte eine zugespitzte Baguette. An der Tasche befestigt war die Notiz einer Arbeitskollegin, die alles erklärte. Der Zufall wollte es, dass sie just in dem Augenblick mit Seri zum Kaffee verabredet gewesen war, als ich ihn angerufen hatte. Aus ein paar wenigen Schlüsselwörtern, die sie mitbekommen hatte, fand sie alsbald heraus, dass ich der Anrufer gewesen sein musste – und hat mir netterweise gleich eine Baguette mitgebracht.

Wie sie schmeckt? Göttlich. Die Rinde ist derart knusprig, dass sie beim Reinbeissen kracht. Das Brotinnere ist feucht und grossblasig, und zeugt davon, dass der Hefeteig vor dem Backen lange geführt wurde. Dazu hat das Brot noch diesen wunderbaren Brotgeruch und den köstlichen Goût, den man bei hiesigen Produkten kaum je findet. Wenn immer möglich: in Zukunft nur noch Baguette von Seri.

Link: www.seri.li

 

PS: Allie Brosh hat in ihrem Blog mit bebilderten Kurzgeschichten unter dem Titel „The God of Cake“ beschrieben, wie sie als kuchensüchtiges Mädchen alles daran setzt, an ihr Objekt der Begierde zu kommen, das eigentlich für den Geburtstag ihres Grossvaters gedacht gewesen wäre – zum Totlachen (hier nachlesen und selber lachen). Was ihr der Kuchengott ist, ist mir der Baguette-Gott.