Auszeit in Downtown Züri


Timeout

Eine Bouillabaisse für 12 Franken zur Vorspeise? Ein butterzartes, saftiges Kalbssteak mit Nusskruste und Beilagen für 42 Franken, der Teller arrangiert wie in einem Restaurant der gehobenen Preisklasse? Eine Weinkarte, deren Rotweine zu 80% zwischen 40 und 50 Franken liegen, mit Provenienzen quer durch Europa? Irgendwo ausserhalb der Schweiz vielleicht, bestenfalls in einem entlegenen Landkaff, sicher aber nicht im Herzen von Zürich. Mit einer Ausnahme: im Restaurant „Timeout“, einem Hotel-Restaurant beim Central in Zürich.

Aus den Socken gehauen hatte mich die Karte beim ersten Durchblättern nun nicht gerade – etwas sehr zusammengewürfelt hatte sie für meinen Geschmack gewirkt, zuwenig eine klare Linie verfolgend. Eine Chance geben wollte ich aber dem Restaurant des Hotels „St. Josef“ trotzdem. Was gleich zu Beginn ins Auge gestochen war: ein Preisniveau, das seinesgleichen in Zürich sucht – und dies wohl eher erfolglos. Schon gar nicht in unmittelbarer Nähe des Nabels der Stadt Zürich, des Centrals.

Neben den üblichen gutbürgerlichen Vorspeisen (Suppen und Salate) folgen alsbald Tajine-Spezialitäten (zu Werke geht in der Küche neben Chef Maik Thalheim ein marokkanischer Koch namens Abdul). Weiter geht es in der Karte mit verschiedenen „Aus der heissen Pfanne“-Gerichten, die dann ihre Linie aber in den „Timeout Classics“ wieder  findet. Von Fisch über Kalbslebern, Zürcher Geschnetzeltes bis hin zu Cordon bleu, Kalbssteak und Entrecôte – alles da.

Ich bin nun mal einfach kein Freund von Restaurants, deren Speisekarten in die verschiedensten kulinarischen Richtungen ausschwärmen. Um es vorwegzunehmen: das Bestellte war über jeden Zweifel erhaben. Nicht nur in Geschmack und Konsistenz, sondern auch in der Art und Weise, wie die Teller arrangiert wurden. Um das Kalbssteak mit der Baumnusskruste in mundgerechte Happen zu zerteilen, wäre ein Messer nicht mal unbedingt nötig gewesen, die gelben und orangen Kräuterkarotten und die separat gereichten Bratkartoffeln hatten genau den richtigen Biss. Auch hungern musste man nicht: die Fische und das andere Meeresgetier in der nicht kleinen Portion Bouillabaisse hätten wohl unter Dichtestress gelitten, wären sie noch am Leben gewesen.

Noch ein Wort zur Weinkarte: ich wüsste keinen Ort in dieser Hochpreisstadt, der vergorenen Traubensaft zu solch unverschämt tiefen Preisen anbietet. Und jeder Geschmack wird bedient: egal ob Zweigelt aus Österreich, Blauburgunder aus der Bündner Herrschaft, Barolo aus dem Piemont, Chateauneuf-du-Pape aus dem südlichen, französischen Rhonetal, Ribera del Duero aus Spanien, Nero d’Avola aus Sizilien – alles da. Einen Besuch in diesem vorzüglichen Restaurant, das abends angenehm ruhig ist, kann ich nur wärmstens empfehlen.

PS: Sorry für das lausige Bild. Hatte die Kamera nicht dabei.

Hier geht’s zur Website des „Timeout“.

Restaurant TimeOut
Hirschengraben 64
CH-8001 Zürich

Telefon 044 250 57 87
info@restaurant-time-out.ch

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