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Brasserie Louis, Horgen


Louis

Wer weiter unten gelesen hat weiss: ich stehe auf Brasserien und ihr Speiseangebot. Gross war deshalb die Freude als ich gelesen hatte, dass der Gastrobetrieb im seelenlosen Schinzenhof, dem hässlichen Betonbau aus den ausgehenden 60er-Jahren neben dem schönen Dorfzentrum in Horgen, neu eröffnet wird.

Unter den Nagel gerissen hat sich den Schinzenhof kein Unbekannter: Kramer Gastronomie, die neben der gleichnamigen Brasserie Louis in Zürich weitere Restaurants betreibt, etwa das Quaglinos, Lake Side, Blue Monkey und einige mehr.

Entstanden sind im Schinzenhof zu Horgen zwei Restaurants: zum einen die „Dorfbeiz“ mit einfacheren Gerichten und moderaten Preisen, zum anderen eben die „Brasserie Louis“ im ersten Stock, mit dem für Brasserien typischen Angebot. Am Donnerstag nach der Eröffnung statteten wir dem Lokal einen Besuch ab.

Schon mal angenehm fiel auf als wir auf den Schinzenhof zugingen: schönes Aussenmobiliar mit Biergarten-Klappstühlen aus Holz und Holztischen, dazu passende grosse Sonnenschirme – und schon bekam der Betonplatz ein ganz klein wenig Atmosphäre, wenn auch nur in der einen Ecke. Bei der restlichen Fläche ist wohl Hopfen und Malz verloren.

Steigt man im Treppenhaus einen Stock höher, findet man in die frisch renovierte Brasserie. Gerade mal zwei Tische waren am vierten Abend nach der Eröffnung besetzt. Sehr dürftig, aber wenigstens bescherte uns dies einen Tisch am Fenster. Der Service war alsbald zur Stelle, Mineralwasser wurde auch zügig geliefert, bloss dauerte es danach über 20 Minuten, bis das bestellte Glas Rotwein aus dem südlichen Rhonetal auf dem Tisch stand – zu lange für meinen Geschmack, zumal ja nur sehr wenige Gäste anwesend waren. Zu warm war er dann auch noch, der Rotwein, ausserdem nur ein Glas statt der bestellten zwei Deziliter. Das war’s dann aber auch schon mit dem Stänkern.

Die Moules meiner Begleitung wurden edel in einem massiven, französischen Gusseisentopf von Staub geliefert, mein Entrecôte war satt mit „Café de Paris“-Sauce bedeckt. Die Frites zu den Moules und die Pommes allumettes wurden in einer separaten Papiertüte gereicht – eine gute Idee, bleiben die so gestapelt doch länger warm als ausgebreitet auf einem Teller. Ich bin kein erklärter Moules-Fan, schon wegen der Stinkefinger nicht, die mich danach zwei Tage lang begleiten. Was ich gekostet hatte, hat aber sehr gut geschmeckt. Mein Entrecôte war saignant, wie bestellt, sehr zart und saftig. Zu meinem Erstaunen war danach trotzdem die ganze fettgeladene Sauce weg.

Fazit: am Service muss noch geschliffen werden – was man bei einem frisch eröffneten Restaurant kurze Zeit akzeptieren kann. Am Essen selber gab’s nichts zu mäkeln – gute Rohstoffe, tadellos und solide gekocht. Bleibt zu hoffen, dass sich die Brasserie Louis etabliert und eine genügend grosse Kundschaft findet, die ihr ein weiteres Bestehen sichert.

Vive la France et ses fromages


Kaese

Was die Franzosen an Käse zu bieten haben, sucht seinesgleichen. Wie wichtig Käse in Frankreich ist, wird einem bei zweierlei Gelegenheiten bewusst: zum ersten gibt es im ganzen Land kaum ein Restaurant, das nicht als zweitletzten Gang einen „plat au fromage“ anbietet. Und zum zweiten ist in jedem mittelgrossen Ort ein Geschäft zu finden, das mit „affineur de fromage“ beschriftet ist. Seine Aufgabe ist es, nicht einfach nur Käse zu verkaufen, sondern diesen zur perfekten Reife zu bringen, bevor er über die Ladentheke wandert.

Ein Franzose, mit dem wir in Dijon beim Mittagessen am letzten Tag unserer Ferien ins Gespräch gekommen waren, bezifferte die Menge an einheimischen Käsesorten auf etwa 400. Wikipedia nennt eine Zahl von ca. 350, andere gehen bedeutend höher. Die Abgrenzung, wo es sich um eine Unterart handelt und was man als andere Sorte bezeichnen muss, ist natürlich nicht immer ganz einfach und eindeutig.

Die Kinnlade ob des Angebots runtergefallen ist mir bei einem Affineur im Südwesten Frankreichs, in Saint-Jean-de-Luz am Atlantik, bei den Basken. Etwa die Hälfte aller Sorten, die das Land zu bieten hat, habe ich in einer einzigen Käsetheke gesehen, in einer der offenen Markthallen, die an grösseren Orten in Frankreich üblich sind und täglich geöffnet haben. Solche Märkte erfreuen sich eines regen Zulaufs, und zwar nicht nur bei den Touristen, sondern in erster Linie bei der Lokalbevölkerung.

Nicht nur war die Theke selber dieses Affineurs rappelvoll, sondern auch noch in speziellen Klimaschränken gleich dahinter lagerte Käse so weit das Auge reichte. Die ausgestellten Sorten hatten ihre Herkunft von Savoyen bis in die Bretagne, von der Normandie bis an die Grenze zu Spanien – harte, weiche, blauschimmlige, von Kühen, Schafen und Geissen – alles da. Maroilles, Brie de Melun, Coulommiers, Cabécou, Munster, Pont l’Evêque, Saint-Nectaire, Cantal, Bleu d’Auvergne, Saint-Agur – am liebsten hätte ich gleich von jeder Sorte ein Stück probiert. Ging natürlich nicht, aber wenigstens habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, am letzten Tag eines jeden Frankreich-Besuchs kräftig zuzuschlagen. Hauptsache, ich kenne den Käse nicht, Hauptsache er stinkt zum Himmel.

Einen Tipp hatte er noch, der oben erwähnte Franzose: es gibt nur einen wahren Epoisses. Drei Produzenten gibt es in diesem Ort im Burgund, jener von Berthaut muss es sein. Den konnte ich Dijon dann auch gleich kaufen. Unvergleichlich sei eine Tartiflette mit diesem Käse, meinte er. Werde ich demnächst ausprobieren und an dieser Stelle darüber berichten.

Alles Birne oder was?


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Birnenbrot – ein richtiger Tausendsassa. Unverzichtbar zum Käseteller, brotgewordenes Studentenfutter und Energielieferant für die Wanderung, zudem auch noch ewig lange lange haltbar. Seit ein paar Jahren gehört es zu meinen eisernen Vorräten und wird nachgebacken, sobald das letzte Stück angeschnitten wird.

Wie ich zum Birnenbrot gekommen bin, weiss ich noch einigermassen genau. Jenes, das bei einem Besuch vor einigen Jahren im vorzüglichen Speiserestaurant Warth in Hünenberg zur Käseplatte serviert wurde, hatte einen dermassen nachhaltigen Eindruck hinterlassen, dass ich getreu meiner Devise „das kann man auch selber machen“ kurze Zeit darauf zu Werke gegangen bin. Geholfen hatte mir dabei, dass meine Mutter mich schon seit einiger Zeit immer wieder mal mit einem Stück aus der eigenen Backstube beliefert hatte. Nie ein grosser Freund war ich von derjenigen Variante gewesen, die in einen Teigmantel gehüllt ist. In kürzester Zeit vertrocknet, trägt er eigentlich nie etwas zum Genuss bei, sondern schmälert diesen nach meiner Auffassung eher. Deshalb: weglassen das Zeugs, unnötiger Aufwand.

Gewandelt hat sich im Laufe der Zeit die Zusammensetzung. Als ich der Tochter von Freunden vor einiger Zeit mal erklären musste, was da drin sei, fragte sie: „Wieso heisst dänn das Birebrot?“ Recht hatte sie, da ist sehr viel mehr als Birne drin, aber immerhin schaue ich heute, dass der Anteil an gedämpften Weichspeckbirnen überwiegt.

A propos: relativ schwierig hat sich in den Sommermonaten die Suche nach diesen schwarzbraunschrumpeligen Dörrbirnen gestaltet. In der Weihnachtszeit findet man sie zuhauf, bei den Grossverteilern meist in leuchtend grünen Kartonschachteln eines Produzenten im Aargau. Im Frühling verschwinden sie  dann aus den Regalen, ausser man wohne in der Zentralschweiz. Dort besteht wohl aufgrund der ganzjährig feilgebotenen Birnweggen eine beständige Nachfrage danach. Kurzer Anruf beim Produzenten: in den Sommermonaten nur in der Migros Luzern erhältlich. Noch viel bessere gibt’s bei der Landi, allerdings leider ebenfalls nur in der Zentralschweiz.

Einen draufgemacht habe ich bei der oben abgebildeten Charge noch bei den verwendeten Haselnüssen. Inspiriert durch die herrlich süsslich schmeckenden gerösteten Haselnüsse aus dem Piemont, habe ich mich selber im Rösten versucht. Nichts einfacher als das. Und das Erstaunliche: meine Erwartung, dass man im fertigen Birnenbrot nichts mehr davon schmecken würde, musste ich glücklicherweise nicht bestätigen. Der Aufwand des Röstens lohnt sich also.

Hier geht’s zum Rezept.

Stangensellerie-Basilikum-Suppe


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Meist ist mein essensmässiger Wochenbeginn dadurch geprägt, dass zuerst einmal leicht gegessen wird. Das übliche Überdiesträngeschlagen am Wochenende verlangt nach einem Kontrapunkt. Das heisst in der Regel: am Montagabend Salat, Suppe oder Fisch.

Von irgendwelchen anderen Gerichten war noch Stangensellerie übrig, Kartoffeln ebenfalls, Zwiebeln habe ich sowieso immer und draussen im Balkonkistchen wuchert heuer der Basilikum derart blödsinnig, dass er bereits verholzt ist und ich schon gar nicht mehr weiss, was ich mit der ganzen grünen Blätterpracht noch anstellen soll. Zusätzlich suchte noch ein halber Becher Crème fraîche nach einem Sinn in seinem welkenden Leben.

Für all diese Zutaten gibt es eine Lösung. Sie passen wunderbar in eine Suppe, die ich schon mal gekocht hatte. Wie so oft diesen Sommer war das Thermometer wieder abgesackt, etwas anderes als Regen kennen wir schon beinahe nicht mehr, also war eine Suppe nicht fehl am Platz. Und mit der Verwendung von Stangensellerie, Basilikum und Zitrone mutet sie trotzdem sommerlich an.

Hier geht’s zum Rezept.

Neues aus der Rösterei


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Haselnüsse sind nicht gleich Haselnüsse. Erstens gibt es verschiedene Sorten, die je nach klimatischen Bedingungen kultiviert werden, und dann liegt noch ein gewichtiger Unterschied darin, ob man sie geröstet verzehrt oder roh.

Bis vor kurzem sagten mir Haselnüsse, also jetzt einfach so ohne Schokoladeummantelung oder anderweitig veredelt, nicht sehr viel. Auf alle Fälle nicht soviel, dass ich eine Handvoll davon schwungvoll in den Mund befördert hätte, wie ich das mit Erdnüssen jeweils tue. Klar, gemahlen verwende ich sie für Nussgipfel oder Marronikuchen, in ganzer Form beispielsweise im Birnenbrot. Im Piemont kann man sie auf Märkten oder in Delikatessgeschäften kiloweise kaufen, und zwar geröstet und enthäutet. Die dort verwendete Sorte, die dem Vernehmen nach zu den besten Röstergebnissen mit den feinsten Aromen führt, nennt sich „Tonda gentile „.

Genau davon hatte ich vor kurzem wieder probiert – und konnte beinahe nicht mehr aufhören, eine um die andere aus der Tüte zu klauben. Die Assoziation, die ich nach den ersten paar Nüssen hatte: die schmecken genau wie jene in Nussschokoladen. Mir war gar nicht bewusst gewesen, dass dafür die geröstete Variante verwendet wird, allerdings esse ich auch meist andere Schokoladen.

Auf alle Fälle haben sie es mir jetzt angetan, diese gerösteten Haselnüsse ohne irgendetwas dran. Beim nächsten Blick in der Küche ins Fach mit den Dörrfrüchten, Nüssen und anderen Backzutaten sprang mir sogleich ein geöffneter Beutel mit Bio-Haselnüssen ins Auge. Herkunft: Türkei, einer der weltweit grössten Haselnussproduzenten. Wer mich kennt weiss, was jetzt kommt: die Frage „kann man die auch selber rösten?“ Oder kommt beim Selbstversuch mit den profanen Nüssen vom Grossverteiler bloss ein geschmackloser Abklatsch des Vergleichsmaterials aus dem Piemont raus?

Man kann. Nichts einfacher als das. Im Internet gegrübelt und gleich ausprobiert. Ich habe kaum einen Unterschied zu den gekauften aus dem Piemont festgestellt. Vielleicht war’s ja zufälligerweise die richtige Sorte. Ich vermute aber, dass es vor allem ein geschicktes Händchen beim Rösten braucht, bzw. der richtige Zeitpunkt muss erwischt werden.

Und so geht’s:

Backofen auf 160 °C vorheizen (Unter- und Oberhitze). Backbleck herausnehmen, Nüsse auf dem Blech verteilen, ab in die Ofenmitte damit. Sobald die Häute nach etwa 15 bis 20 Minuten schön dunkelbraun (nicht schwarz!) gefärbt sind Blech herausnehmen, mit einem sauberen Küchentuch bedecken, 10 Minuten warten. Anschliessend max. 200 g Haselnüsse auf das Tuch legen, die vier Zipfel zusammenschliessen und die Nüsse im Tuch aneinanderreiben, bis die Häute weg sind und darunter eine schön hellbraun geröstete Haselnuss hervorkommt. Die Nüsse vor  Verzehr, Weiterverwendung oder Lagern noch vollständig auskühlen lassen.

Meine nächste Nusstorte wird wohl eine Haselnusstorte sein. Geröstet, versteht sich. Ins Birnenbrot kommen ebenfalls nur noch die nackten hellbraunen. Ins Piemont muss ich jetzt nicht mehr für diese Nüsse. Aber glücklicherweise gibt es da noch massenhaft Gianduiotti, die ich noch nicht probiert habe.

 

Streuselkuchen zum zweiten: Beeren und Rührteig


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Nach einem Streuselkuchen mit Mürbeteigboden und dicker, quarkiger Füllung musste jetzt auch noch einer von der eher flachen Sorte mit Rührteig her. Die Beeren fliegen einem zur Zeit nur so um die Ohren, also habe ich mich dafür entschieden.

Jaja, es kommt dann bald mal wieder etwas Salziges. Aus aktuellem Anlass streuselt’s jetzt aber erst nochmals.

Die Streusel hat mir die Kenwood Chef mal schnell parat gemacht, mit gemahlenen Mandeln, Butter und Zucker. Dann zackzack den Rührteig angefertigt, in eine eingebutterte Backschale gestrichen, die bereits gerüstet gekauften Himbeeren und Heidelbeeren noch schnell gewaschen, darüber verteilt, etwas in den Teig gedrückt und zum Schluss noch die Streusel darüber verteilt. Und ab in den Backofen für 40 Minuten!

Das Resultat: der Boden trotz Biskuit-Optik schön feucht und schwer, der Kuchen insgesamt fruchtig, nicht zu süss, beerig und leicht sauer – erfrischend und einfach wunderbar.

Hier geht’s zum Rezept.

Stilvoll würzen beim Wandern


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Mit dem Wandern ist’s heuer etwas schwierig. Nichtsdestotrotz dieses Mal was aus der Rubrik „gadgets and useful tools“ – irgendwann wird er kommen, der nächste Wandertag… ganz bestimmt. Schüren wir hier etwas die Vorfreude.

Es gab eine Zeit, da war Aromat alles, was ich zum Würzen eines gekochten Picknick-Eis brauchte. Lange ist’s her. Als ich vor kurzem einen Artikel über einen jungen Schweizer Shooting-Star am Gastrohimmel las, der zur Zeit irgendwo in Asien auf Spitzenniveau kocht und der privat nicht auf Aromat verzichten will, fragte ich mich, wie er es dahin geschafft hat. Egal, jedem seinen Geschmack.

Aus meinem Gewürzschrank wurden Aromat und Konsorten auf alle Fälle schon vor längerer Zeit verbannt. Wenn ich heute gelegentlich wieder mal meine Nase über einen Streuer halte, finde ich den ranzigen, glutamatgeschwängerten Geruch ziemlich übel. Wenn es schon ein Gewürzsalz sein soll, dann gibt es Alternativen en masse, und zwar ohne diesen unnötigen Geschmacksverstärker.

Auf Wanderungen führe ich zum Würzen von Eiern, Gurken und Cherrytomaten oder zum Pfeffern etwa von Rohschinken oder Bündnerfleisch seit langem je einen Streuer für Salz und Pfeffer mit. Die Dinger aus Plexiglas mit den Klappdeckeln, die es für solche Zwecke gibt, fand ich nie besonders gelungen. Ausserdem rissen früher oder später die Deckel ein. Die beiden Streuer aus Edelstahl, die ich jeweils dabei habe, sind zwar klein und handlich, sabbern aber immer ihren Inhalt raus, weil die Gummideckel irgendwann abrutschen. Es gab also Verbesserungspotential.

Letzthin bin ich nun auf diese Pfeffer- und Salzmühlen gestossen. Ein richtiges Kegelmahlwerk à la Peugeot haben sie nicht, sondern lediglich einen aufgerauhten Stahlstössel, der Pfefferkörner und Meersalzkristalle in einem ebenso aufgerauhten Zylinder in Kleinteile zermörsert.  Beide Geräte können mit einer Hand bedient werden. Man hält Ei, Gurke oder was auch immer in der einen, die Edelstahldinger in der anderen Hand. Am Mahlgrad lässt sich nichts verstellen, ist aber auch nicht nötig. Beide Mühlen funktionieren tadellos: was unten rauskommt ist so, wie es sein soll.

Leichtgewichte sind die beiden nicht gerade. Aber auch nicht so schwer, dass einen der Rucksack auf Wanderungen in den Boden drückt. Gepflegt essen beim Wandern verlangt halt nun mal einen minimalen Tribut, ist’s aber wert. Selbstverständlich auch geeignet für’s Picknick oder den Gartentisch.

Marke: Brabantia
Gekauft bei Globus (knapp 40 Franken das Paar).

Leise rieselt der Streusel


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Na, wo rieseln sie wohl hin wo, die Streusel? Wie aus obigem Bild ersichtlich wird: auf Aprikosen. Die gibt’s ja bereits seit längerem wieder zu kaufen, an spezialisierten Ständen irgendwo an einer Strasse und bei den Lebensmittelhändlern. Zeit also für einen Kuchen.

Was ich bis jetzt in den Händen gehalten hatte, war hart und wirkte irgendwie unreif, selbst wenn’s aus dem Wallis kam und damit einen kurzen Transportweg in die Regale hatte – nach meiner Einschätzung also keine Freude beim rohen Verzehr. Weichgebacken in einem Streuselkuchen und mit Zucker gepimpt kommt ihr Aroma und die frische Säure allerdings voll zur Geltung.

Streuselkuchenrezepte gibt’s wie Sand am Meer. Allen gemeinsam: die Streusel, die man als Deckschicht zuoberst draufgibt und die beim Backen schön goldbraun und knusprig werden sollen. Was sich unter dieser Schicht abspielt: der komplette Wildwuchs. Rührteig (für Blechkuchen), Mürbeteig, Hefeteig, mit Backpulver – nichts ist unmöglich. Sowieso bei den verwendeten Früchten, es ist schliesslich Beeren- und Steinobstzeit. Alles geht – Hauptsache: Streusel obendrauf.

Auslöser für das Selberbackenwollen war ein Streuselkuchen, den ich auf einer Biketour im Parsenngebiet letztes Wochenende probiert hatte. Einen ersten habe ich nun mit Aprikosen gemacht, mit Mürbeteigboden und viel Rahmquark. Trocknet garantiert nie aus. Der nächste folgt sogleich, Zwetschgen und Kirschen stehen bereits an, andere Teigsorten wollen probiert werden.

Hier geht’s zum Rezept.

Schon probiert? Gianduiotti


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Schokolade mit Haselnuss nennt sich Gianduja. Kommt sie in der typischen Form daher wie im obigen Bild, so ca. 10 Gramm das Stück, heissen sie Gianduiotto. Seit ich vor drei Jahren mit Schwester und Schwager im Herkunftsgebiet war, probiere ich mich so ungefähr durch alle Sorten durch.

Neben den Tartufi dolci sind sie die grosse Schokoladespezialität aus dem Piemont, der Heimat des opulenten Vielgang-Essens und der Nebbiolo-Traube. Sie bestehen neben Kakao v.a. aus einer weiteren Hauptzutat: Haselnüssen. Wer schon im Piemont war, v.a. im Gebiet Langhe, weiss wie es dort aussieht: wenn die sanften Hügel nicht mit Rebbergen bestockt sind, dann sind es Haselnussplantagen. Irgendwo muss Ferrero ja die ganzen Nüsse für Nutella und ihre Rochers herbekommen.

Vor kurzem war meine Schwester wieder dort in den Ferien,  im Gepäck auf der Heimreise die bestellten gut 2 kg Süssigkeiten für mich, von zwei verschiedenen Herstellern. Kaum zurück, sind wir zur Tat geschritten: Lindt & Sprüngli gegen zwei piemontesische Vertreter, Novi und Davide Barbero. Jene von den Maîtres chocolatiers hatten in den letzten Monaten bei mir den obersten Podestplatz erobert. Nachdem ich aber nun die beiden anderen probiert habe, muss ich sagen: die sind authentischer, und zwar alle beide, da flammte wieder eine fast schon vergessene geschmackliche Erinnerung auf. Schokoladiger sind sie, die Originale, und trotzdem sehr cremig, vergehen auf der Zunge, ohne etwas Mehliges zu hinterlassen.

Die Produkte der beiden erwähnten Hersteller wird man wohl hierzulande kaum einfach so kaufen können. Allenfalls per Zufall stösst man in italienischen Spezialitätenläden auf sie – oder auf solche von einem der unzähligen anderen Hersteller. Lindt & Sprüngli sind nach wie vor ausgezeichnet, einfach viel milder. Wenn die anderen dann mal weg sind, dann tun sie es als Übergangslösung auch.

Das fette Teil da unten – eine 250 grämmige Draufgabe meiner Schwester – habe ich auch bereits angeschnitten. Dem bekennenden Schokoladesüchtigen stach sofort der Schriftzug auf der Schleife ins Auge – Domori. Die Firma gilt als einer der besten Edelschokoladehersteller der Welt. Meine einzige Begegnung mit einem Domori-Produkt hatte ich vor Jahren, nach der Lektüre eines längeren Artikels über das Unternehmen.  Domori hatte es gewagt, eine dunkle Schokolade aus 100 % Kakao herzustellen – ohne Zucker, Fett oder andere Zutaten. Einmal probiert – nein danke, nie mehr wieder. Bitter, bröckelig, im Mund einen sauren Nachgeschmack hinterlassend. Das Monster-Gianduiotto allerdings, das haben sie zum Glück tadellos hinbekommen.

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Chimichurri


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Es muss nicht immer Kräuterbutter sein. Andere Länder, andere Saucen. In Argentinien z.B. kennt man als Fleischbegleiter Chimichurri – sehr einfach auch selber herzustellen.

Meine erste Begegnung mit Chimichurri hatte ich vor etwa zehn Jahren, in einem argentinischen Restaurant in Barçelona. Witziger Name, feine Sache: Chimichurri ist ein mehr oder minder scharfes Gewürzöl, das in Argentinien v.a. zu gegrilltem Rindfleisch gereicht wird.

Irgendwann später stiess ich zufällig auf das Produkt von Finefood, der Premium-Linie von Coop. Wie authentisch argentinisch es ist, kann ich nicht beurteilen, ich war noch nie in Argentinien. Auf alle Fälle hat es bestens geschmeckt, eine willkommene Alternative zu Kräuterbutter und ähnlichen Fleischbegleitern.

Das Problem mit der Flasche von Coop: einmal geöffnet, muss sie in drei Wochen geleert werden. Für den Zweipersonenhaushalt ein Ding der Unmöglichkeit, eigentlich nur dann durchführbar, wenn ein Grillfest mit 15 – 20 Leuten stattfindet. Wenn man allerdings das Etikett liest, wird einem schnell klar, dass es keine Hexerei sein kann, Chimichurri selber herzustellen. Öl, Knoblauch, Zwiebel, Petersilie, Chilischoten, ein paar Gewürze, Essig, Zitronensaft – mischen, ziehen lassen, fertig. Selbstverständlich  findet man auch in den unendlichen Weiten des WWW mehr Rezepte als irgendein Mensch bräuchte.

Um nur soviel herzustellen, dass man es auch aufbrauchen kann, habe ich es mit kleinen Mengen probiert – und es hat eigentlich gleich auf Anhieb gepasst. Die untenstehenden Angaben sollten für eine Mahlzeit von zwei Personen reichen.

  • 2 EL Olivenöl (oder auch Erdnuss- oder Sonnenblumenöl)
  • 1 Knoblauchzehe (gepresst)
  • 1 TL Zwiebel ( feinst gehackt)
  • 1 TL Rotweinessig
  • 1 gestrichener Espressolöffel Salz
  • 1 gestrichener Espressolöffel Oregano
  • 1 gestrichener Espressolöffel Thymian
  • 1 Espressolöffel Zitronensaft
  • 2 TL gehackte, glattblättrige Petersilie
  • 1 Chillischote (entkernt, fein gehackt)

Alle Zutaten in eine Tasse geben und mischen. Chimichurri ein paar Stunden ziehen lassen. Im Kühlschrank aufbewahren, innert etwa zwei Wochen aufbrauchen.