Alle Beiträge von dominicdaehler

Weichgesotten


Siedfleisch

Seit ich das Rindfleisch jeweils bei einem jungen Biobauern-Paar im Dorf kaufe, schafft es immer wieder mal ein Stück Fleisch in die Küche und auf den Teller, das ich beim Metzger wohl nicht gekauft hätte. Siedfleisch zum Beispiel.

Er verkauft zwar nicht die anderswo oft üblichen Mischpakete zum Kilopreis, der Biobauer meiner Wahl, sondern alles einzeln. Aber wenn das Rind schon für uns sein Leben gelassen hat, dann soll es auch möglichst vollständig verzehrt werden, und nicht bloss seine Edelstücke. Also habe ich letztes Mal unter anderem Siedfleisch bestellt, noch ohne wirklich zu wissen, wie man es zubereitet.

Dieses Wochenende war seine Zeit gekommen. Ein paar Rezepte studiert, mich für eines entscheiden. Ihnen allen gemeinsam war: denkbar einfach, so ein Siedfleisch zu machen. Ein paar Stunden knapp unter dem Blubberpunkt im Salzwasser ziehen lassen, eine halbe Stunde vor Verzehr das gewünschte Suppengemüse beigeben, fertig – leicht und bekömmlich.

Als ich dem Fleisch so beim Garwerden zusah, hatte ich meine Bedenken, dass das ein Genuss werden würde. Sah sehr faserig aus, Erinnerungen an die Kaumuskulatur arg strapazierende Pot-au-feu-Gerichte im Militär kamen in meiner Erinnerung hoch. Eine erste Entwarnung gab’s aber bereits beim Rausheben des Mockens: die Fleischgabel ging ohne Widerstand rein. Das gute Stück habe ich in Folie gewickelt und noch kurz ruhen lassen, dann tranchiert. Das Messer sprach die gleiche Sprache wie bereits die Gabel zuvor – das Schneiden brauchte kaum Kraft. Was sich da ausserhalb des Tellers angekündigt hatte, fand im Mund noch seine abschliessende Bestätigung: weich und saftig war’s, zum Zerteilen des Fleischs in mundgerechte Happen reichte die Gabel.

Ach ja: haufenweise Meerrettich-Crème gehört natürlich dazu. Und schafft man nicht das ganze Stück, so ist es auch kalt serviert eine Delikatesse: fein tranchiert, von einer Vinaigrette begleitet.

Hier geht’s zum Rezept.

Auszeit in Downtown Züri


Timeout

Eine Bouillabaisse für 12 Franken zur Vorspeise? Ein butterzartes, saftiges Kalbssteak mit Nusskruste und Beilagen für 42 Franken, der Teller arrangiert wie in einem Restaurant der gehobenen Preisklasse? Eine Weinkarte, deren Rotweine zu 80% zwischen 40 und 50 Franken liegen, mit Provenienzen quer durch Europa? Irgendwo ausserhalb der Schweiz vielleicht, bestenfalls in einem entlegenen Landkaff, sicher aber nicht im Herzen von Zürich. Mit einer Ausnahme: im Restaurant „Timeout“, einem Hotel-Restaurant beim Central in Zürich.

Aus den Socken gehauen hatte mich die Karte beim ersten Durchblättern nun nicht gerade – etwas sehr zusammengewürfelt hatte sie für meinen Geschmack gewirkt, zuwenig eine klare Linie verfolgend. Eine Chance geben wollte ich aber dem Restaurant des Hotels „St. Josef“ trotzdem. Was gleich zu Beginn ins Auge gestochen war: ein Preisniveau, das seinesgleichen in Zürich sucht – und dies wohl eher erfolglos. Schon gar nicht in unmittelbarer Nähe des Nabels der Stadt Zürich, des Centrals.

Neben den üblichen gutbürgerlichen Vorspeisen (Suppen und Salate) folgen alsbald Tajine-Spezialitäten (zu Werke geht in der Küche neben Chef Maik Thalheim ein marokkanischer Koch namens Abdul). Weiter geht es in der Karte mit verschiedenen „Aus der heissen Pfanne“-Gerichten, die dann ihre Linie aber in den „Timeout Classics“ wieder  findet. Von Fisch über Kalbslebern, Zürcher Geschnetzeltes bis hin zu Cordon bleu, Kalbssteak und Entrecôte – alles da.

Ich bin nun mal einfach kein Freund von Restaurants, deren Speisekarten in die verschiedensten kulinarischen Richtungen ausschwärmen. Um es vorwegzunehmen: das Bestellte war über jeden Zweifel erhaben. Nicht nur in Geschmack und Konsistenz, sondern auch in der Art und Weise, wie die Teller arrangiert wurden. Um das Kalbssteak mit der Baumnusskruste in mundgerechte Happen zu zerteilen, wäre ein Messer nicht mal unbedingt nötig gewesen, die gelben und orangen Kräuterkarotten und die separat gereichten Bratkartoffeln hatten genau den richtigen Biss. Auch hungern musste man nicht: die Fische und das andere Meeresgetier in der nicht kleinen Portion Bouillabaisse hätten wohl unter Dichtestress gelitten, wären sie noch am Leben gewesen.

Noch ein Wort zur Weinkarte: ich wüsste keinen Ort in dieser Hochpreisstadt, der vergorenen Traubensaft zu solch unverschämt tiefen Preisen anbietet. Und jeder Geschmack wird bedient: egal ob Zweigelt aus Österreich, Blauburgunder aus der Bündner Herrschaft, Barolo aus dem Piemont, Chateauneuf-du-Pape aus dem südlichen, französischen Rhonetal, Ribera del Duero aus Spanien, Nero d’Avola aus Sizilien – alles da. Einen Besuch in diesem vorzüglichen Restaurant, das abends angenehm ruhig ist, kann ich nur wärmstens empfehlen.

PS: Sorry für das lausige Bild. Hatte die Kamera nicht dabei.

Hier geht’s zur Website des „Timeout“.

Restaurant TimeOut
Hirschengraben 64
CH-8001 Zürich

Telefon 044 250 57 87
info@restaurant-time-out.ch

Der Weissbrot-König von Zürich


Weissbrot

Man bemerke: die Bläschen auf der Brotoberfläche. Beisst man in eine Scheibe dieses Weissbrots rein, so knistert es in der Kruste. Damit aber noch nicht genug: im Mund entfaltet sich ein Geschmack, den man bei keinem Brot aus dem Supermarkt mehr findet. So schmecken nur solche, wie ich sie aus der Kindheit oder heute noch von Dorfbäckereien auf dem Land kenne. Das hier aber, das gibt’s mitten in der Stadt Zürich.

Jahrelang habe ich bei der Bäckerei Stocker, die mehrere Filialen in der Stadt Zürich betreibt, im Vorbeigehen am Hauptbahnhof mein Brot gekauft. Durch verschiedene Sorten habe ich mich durchprobiert: Dinkel, Vollkorn, Baguette, etc.. Am Schluss war ich beim St. Galler Weissbrot gelandet. Einen so exquisiten Brotgeschmack hatte ich schon lange nicht mehr in einem Brot gefunden. In der Baguette von Seri vielleicht, aber Baguette ist eine andere Geschichte.

Schon oft hatte ich diesen Brotlaib mit den feinen Bläschen im Verkaufsregal gesehen und immer gedacht: ist ja nur profanes Weissbrot, der Standard halt. Wie der Schuster blieb ich bei meinen Leisten und kaufte eins ums andere Mal mein St. Galler Weissbrot. Letzte Woche traf dann aber das Unvermeidliche ein: keiner meiner rundlichen Lieblingslaibe mehr im Regal, ich brauchte aber dringend Brot.

Was tun? In den vermeintlich sauren Apfel beissen und das vermeintlich langweilige Weissbrot für CHF 2.80 kaufen. Beim Weggehen die Nase in die Papiertüte gehalten: was für ein himmlischer Brotgeruch. Umgehend ein Stück von der Kuppe abgebrochen: hat das wunderbar geknistert. Konsistenz: nicht zu luftig, nicht zu kompakt, feuchtes Brotinneres, knusprig-trockenes Brotäusseres. In den Mund geschoben und gegessen: der Geruch fand im Geschmack seine Fortsetzung. Irgendwas macht die Bäckerei Stocker besser als alle anderen. SO muss Brot schmecken.

Meine Empfehlung deshalb: wer immer eine Filiale von Stocker in seiner Nähe hat – gehet hin und kaufet deren Weissbrot. Und verlangt das mit den Blasen auf der Kruste.

Hier geht’s zu den Standorten der Bäckerei Stocker.

Aprikosensaison!


Aprikosenstreusel

… ist momentan natürlich mitnichten. Trotzdem habe ich letzte Woche in den Bergen bei tiefwinterlichen Verhältnissen einen Aprikosenkuchen gegessen, der dermassen intensiv nach der orangen Steinfrucht geschmeckt hat, dass meine Lust nach mehr geweckt wurde.

Die Saison für diese fleischigen Früchte mit dem wunderbaren Aroma ist erst im Sommer. Was also hat ein Aprikosenkuchen im Winter verloren? Saisonale Köstlichkeiten sind doch eine feine Sache: sie dann zubereiten, wenn der Boden die Zutaten hergibt, und sich die restliche Zeit des Jahres darauf freuen, bis es wieder soweit ist. Saisonal kochen verleiht dem Jahr kulinarische Struktur: Wintergemüse in der kalten Jahreszeit, im Februar folgt an geschützten Lagen der Bärlauch mit den ersten zarten Blättern, später dann der Waldmeister mit seinem Cumarin-Aroma für die Maibowle, dann blüht der Schwarze Holunder undsoweiter. Ich kann’s jeweils kaum erwarten, bis die Zeit jeder Spezialität gekommen ist.

Aber wir wollen mal nicht päpstlicher sein als der Papst: wenn’s geht saisonal, wenn’s sein muss, lassen wir fünfe auch mal gerade sein und essen Aprikosenkuchen im Winter. Was zur nächsten Frage führt: Wo zum Henker hat der Bäcker der wunderbaren Süssigkeit in dieser Jahreszeit überhaupt Aprikosen herbekommen? Frisch habe ich die seit Sommer in keinem Verkaufsregal mehr gesehen, weshalb sie nach ihrem Verschwinden jeweils bis zum nächstjährigen Auftauchen von meinem Radarschirm verschwunden sind.

Für die Verfügbarkeit mitten im Winter kann es eigentlich nur eine Erklärung geben: die müssen die Zeit von der Ernte bis heute tiefgefroren überdauert haben. Sofort via Smartphone die Online-Shops von Coop und Migros durchsucht: tatsächlich, gibt es bei beiden, halbiert und entsteint, bei Migros sogar in der Bio-Variante aus Ungarn. Und ich hatte die nie gesehen? Unglaublich.

Am Samstagmittag war ich aus den Ferien zurück, zwei Stunden später lag das Objekt meiner Begierde im Einkaufskorb, am Sonntagmorgen wanderte der Inhalt des Beutels eingepackt in Mürbeteig, aufgefüllt mit Eier-Rahm-Guss und bedeckt mit Streuseln in den vorgeheizten Backofen.

Hier geht’s zum Rezept.

Schon probiert? Tremoços


Tremoços

Schon fast wieder hatte ich sie vergessen, die gelben Bohnen, die letzten Sommer auf den Azoren fast überall zum Apéro gereicht wurden. Ich glaube nicht, dass ich sie zuvor schon mal irgendwo gesehen, geschweige denn probiert hatte. Als wir aus den Ferien zurück waren, fragten wir uns, wie wir in Zukunft an die rankommen. Nichts einfacher als das: gibt’s in jeder mittelprächtigen Migros.

Der Punkt ist: man muss sich an diese Regale ranwagen, in denen all die fremdländischen Nahrungsmittel stehen. Fehlt einem der Bezug, weiss man oft nicht, was man damit anfangen soll. Gleich war es mir mit Ajvar ergangen, der fantastischen Gemüsezubereitung vom Balkan oder auch mit Edamame, den grünen, blanchierten Sojabohnen. Seit ich sie kenne, möchte ich sie nicht mehr missen.

Auf den Azoren nun also waren die gelben Bohnen der Lupine allgegenwärtig. Ich erinnere mich noch genau, wie wir uns schon am zweiten Tag ein Glas gekauft hatten und ich sie als „na ja“ empfunden hatte. Kein Wunder, wenn man die ganzen Samen einwirft und dann drauf rumkaut: so werden sie nicht gegessen. Die müssen – genau wie Edamame – raus aus der zähen Schale, sonst bleibt der Genuss auf der Strecke. Am Anfang hatte ich sie noch mit zwei Händen gehalten, sorgfältig mit den Schneidezähnen perforiert und dann aus der Schale in den Mund gedrückt. Heute geht’s mit einer Hand und ca. im 5-Sekunden-Takt.

Sehr viel Eigengeschmack haben sie nicht, die Tremoços, dafür sind sie ein sehr leichter, bekömmlicher Apéro-Snack, bei dem man schamlos zuschlagen kann und der noch Platz für das anschliessende Essen lässt. Der geringe Eigengeschmack hat aber auch sein Gutes: sie lassen sich problemlos aromatisieren. Glas öffnen, eins bis zwei Knoblauchzehen rein, ein Zweig Rosmarin oder auch Thymian, Glas schliessen. Bereits tags darauf haben sie den Geschmack angenommen und munden gleich nochmals besser.

7-Punkte-Plan zur perfekten Rösti


Rösti

Die Rösti – kulinarisches, schweizerisches Hoheitsgebiet. Der „Tages-Anzeiger“ ging vor einiger Zeit der Frage auf den Grund, wie man sie perfekt hinbekommt. Vier Restaurants, die er besuchte und die für ihren Kartoffelfladen weit herum bekannt sind, gaben ihr Rezept preis. Die Erkenntnis: es führen etwa so viele Wege zur perfekten Rösti wie nach Rom. Die Konsequenz: jeder, der sie selber brät, muss seinen eigenen Weg finden.

Manche der befragten Restaurateure nehmen festkochende, andere schwören auf mehligkochende Kartoffeln, die einen braten sie gleich im rohen Zustand an, die anderen im gekochten, und zwar in Öl, Schweineschmalz oder Butter. In den geriebenen Kartoffeln in der Bratpfanne zuerst noch rühren oder auch keinesfalls mehr berühren, einen Deckel auf die Pfanne legen oder ihn meiden wie der Teufel das Weihwasser – der pure Wildwuchs. Die verschiedenen Arten der Röstizubereitung gleichen einem Glaubensbekenntnis.

So etwas wie ein Originalrezept für Rösti? Fehlanzeige. Die Website „Kulinarisches Erbe der Schweiz“ verbrennt sich denn bei diesem Gericht auch nicht ihre Finger an der Bratpfanne: den Begriff „Rösti“ findet man ob solch ausufernder Rezept-Opulenz nicht einmal.

Also geht’s unter dem Strich eigentlich nur um die Frage: Was macht die perfekte Rösti aus, wie muss sie sein? Schmackhaft natürlich, beidseits schön goldbraun gebraten, aussen knusprig und innen gar, kein Kartoffelmus, aber auch nicht Kartoffelstäbchen, die kaum zusammenhalten. Zumindest ist dies mein Verständnis einer guten Rösti. Wie ich im Verlaufe der Jahre meinen Weg dahin verfeinert habe, sei hier verraten.

  1. Man nehme: die richtige Kartoffel

In den Supermärkten sind die Kartoffeln meist farbcodiert: blau = mehligkochend, enthält viel Stärke; grün = festkochend, enthält wenig Stärke; rot = vorwiegend festkochend, die goldene Mitte. Die soll’s sein, und auf den entsprechenden Beuteln ist ihr Einsatz für Rösti denn auch meist explizit erwähnt. Bei mehligkochenden Kartoffeln besteht die Gefahr, dass sie zu Brei zerfallen, bei festkochenden verbinden sich die geriebenen Kartoffeln zu wenig.

  1. Schonend gegart

Für mich nur noch gekocht, ausser es eilt. Aber nicht irgendwie gekocht, sondern sozusagen schonend gegart. Die Beobachtung, die dem zugrunde liegt: kocht man Kartoffeln auf der höchsten Stufe, so kann die Schale aussen abplatzen, der Randbereich ist pflotschig, innen aber unter Umständen noch zu roh. Was aber wäre optimal? Eine Kartoffel, die durchgehend gleich gar ist. So kam ich auf die Idee, das, was für Roastbeef gilt, auf die Knolle zu übertragen: langsam bei tiefer Temperatur garen. Vorgehen: Kartoffeln ins Salzwasser, den Topfinhalt bei höchster Stufe erhitzen bis es blubbert (sonst dauert es zu lange), ca. 1 Minute kochen lassen, dann auf die niedrigste Stufe, Deckel drauf – da blubbert’s nach kurzer Zeit nicht mal mehr. Jetzt so lange garen, bis die Kartoffeln beim Reinstechen mit dem Messer immer noch gut Widerstand leisten (je nach Grösse der Kartoffeln zwischen 10 und 30 Minuten). Oftmals wird erwähnt, dass die Kartoffeln am Vortag gekocht werden müssen. Meines Erachtens unnötig. Komplett ausgekühlt soll sie sein, wenn sie nach dem Schälen an der Grobreibe gerieben werden, aber dazu reichen ein paar Stunden.

  1. Die beste Pfanne

Mit einer Bratpfanne mit Beschichtung funktioniert’s am besten, alles andere ist Nostalgie. Gusseisenpfannen sind zwar das Traditionsgerät und unkaputtbar, aber Gebratenes löst sich hier einfach weniger leicht als von einer beschichteten Bratpfanne.

  1. Öl, Butter oder Schweineschmalz

Ansichtssache, aber für mich muss es Butter sein, am einfachsten Bratbutter. Auch mit normaler Butter geht’s: gibt man gleich nach dem Schmelzen die geriebenen Kartoffeln in die Pfanne, saugen diese die Butter sofort auf und sie wird – auch dank der nicht zu hohen Brattemperatur – nicht schwarz.

  1. Brathitze

Die besten Erfahrungen mit einer gleichmässigen goldbraunen Färbung habe ich mit 2/3 Hitze gemacht, also ca. Stufe 6 von 9.

  1. Kein Deckel, nicht umrühren

Butter in die Pfanne, schmelzen lassen, Kartoffeln rein, Kuchen formen. Und jetzt Finger weg! Und zwar je nach Herd und verwendeter Pfanne für 10 bis 20 Minuten.

  1. Wenden

Früher habe ich es mit dem schwungvollen Wenden in der Luft probiert. Hat manchmal bestens geklappt, manchmal etwas weniger. Am einfachsten geht es mit einem Silikondeckel, der extra fürs Wenden gemacht wurde: passt auf verschiedene Pfannengrössen, ist schön flutschig, hat keinen Rand. Ebenfalls tauglich: die Unterseite eines runden Backblechs, flache Deckel oder Teller. Also: Deckel drauf, Pfanne wenden, Rösti kurz beiseite stellen, nochmals Butter rein, Rösti am Stück in die Bratpfanne gleiten lassen, andere Seite braten. Fertig.

Schalentier im Weissweinsud: Moules marinière


moules

Wann man sie essen soll, die Miesmuscheln, da gehen die Angaben geringfügig auseinander. Ich hatte mal gelernt nur in allen Monaten, die ein „r“ enthalten, also September bis April. Schonfrist für den Fang, bzw. das Einsammeln in den Aquakulturen, ist aufgrund der Eiablage aber nur Mai und Juni. Von Juli bis April sollten sie also im Handel erhältlich sein.

Die ganz grosse Liebe waren Moules lange Zeit nicht für mich: irgendwie widerlich anzuschauen mit all den seltsamen Anhängseln, glibberig. Dazu noch die Berichte, die man immer wieder liest, wie ungesund sie wegen ihrer ganzen Filtriertätigkeit seien, wenn so eine kleine Muschel beim Planktonsammeln bis zu 100 Liter Wasser pro Tag durch sich hindurchspült. Durchfall sollen sie auch immer wieder mal verursachen, wenn man sie nicht vorsichtig aussortiert.

So langsam habe ich mich dann kulinarisch doch an sie herangetastet, weil da immer dieser feine Duft nach Meer in der Luft hing, wenn jemand etwa in einer Brasserie einen Topf vor sich stehen hatte. Nach etwa fünfmaligem Auswärts-Verzehr wollte ich wissen, wie gut man sie zuhause hinkriegt, und zwar die „Moules marinière“-Variante: in Weisswein, Zwiebeln, Knoblauch und Kräutern ein paar Minuten geschmort, mehr braucht’s nicht.

Frisch müssen sie natürlich sein, Tiefkühlware ist ein nogo. Bei optimaler Kühltemperatur sind Moules ein paar Tage haltbar, danach müssen sie verzehrt sein. Was bei uns an Frischware erhältlich ist, kommt dem Vernehmen nach hauptsächlich aus hochtechnisierten Aquakulturen, grösster Produzent Europas ist Holland. Die Moules werden vor dem Kochen nochmals gut gewaschen, die offenen Exemplare aussortiert, dann für ein paar Minuten in den Weinsud in den Topf gegeben. Nach dem Kochen ist’s andersrum: was nun noch geschlossen ist, wird ebenfalls weggeworfen. Dazu passt: Pommes frites. Hat man keine Fritteuse: Baguette.

Hier geht’s zum Rezept.

Beim Barte des Mönchen!


Mönchsbart1

Der Bärlauch spriesst bereits, die erste Suppe hat am letzten Wochenende ihren Weg in die Mägen gefunden. Da gibt’s aber noch anderes Saisonales, was die Natur von sich aus einfach so hergibt und der Erwähnung mehr als wert ist. Mönchsbart zum Beispiel. Nur eine kurze Genusszeit ist ihm beschieden, sammeln kann man ihn allerdings bei uns nicht. Er wächst auf Dünenwiesen am Mittelmeer.

Suchen muss man dieses Kraut trotzdem gehen, auch wenn es nicht bei uns heimisch ist: auf den Lebensmittelmärkten oder in Gourmetabteilungen. Zu ausgefallen ist es, als dass man es einfach im Supermarkt kaufen könnte. Gestern ist mir in den Sinn gekommen, dass seine Zeit wieder naht, frühmorgens bin ich aus purer „Ist es wohl schon so weit?“-Neugier auf den Lebensmittelmarkt in Zürich-Oerlikon gegangen. Und siehe da – Barba di frate, wie die Italiener ihn nennen, knackig grün und frisch. Gleich gekauft, geplantes Abendessen über den Haufen geworfen.

Ob neben Italien andere Länder diese Wegerich-Art ebenfalls kulinarisch verwerten, entzieht sich meiner Kenntnis. Für mich ist Mönchsbart zwingend mit Italien verbunden. Als gedünstetes Gemüse wird er mit seinem erdigen Geschmack etwa als Beilage zu Fleisch oder Fisch empfohlen. Als Pastagericht paart er sich der Form seiner Blätter wegen ausnehmend gut mit Spaghetti. Sein Aroma ist nicht allzu intensiv, er sollte deshalb nicht durch starke andere Geschmäcker in die hinteren Reihen verwiesen werden. Olivenöl, Cherrytomaten, sehr dezent Zwiebeln und Knoblauch einsetzen, salzen – basta.

Mönchsbart2

Hier geht’s zum Rezept.

Apfelstreuselkuchen – proppenvoll und saftig


Apfelstreuselkuchen

Gibt eigentlich nicht viel zu sagen zu dem hier. Nach etwa 50maligem Betrachten im Web habe ich mir sie endlich gekauft, diese Maschine, die in ca. 20 Sekunden einen ganzen Apfel schält, entkernt und in gleichmässig dicke Ringe, bzw. in eine Spirale schneidet. Jetzt will sie amortisiert werden. Süssigkeiten mit Äpfeln drin stehen deshalb enorm hoch im Kurs.

So wie die seinerzeit geschenkt gekriegte Kenwood-Küchenmaschine meine ganze Backtätigkeit überhaupt erst in Gang brachte, so dürfte sich mit der Anschaffung dieses Geräts der Anteil an Apfeldesserts künftig markant erhöhen. Tarte Tatin zum Beispiel wird’s wohl noch häufiger geben. Oder Apfelstreuselkuchen.

Apfelschaelmaschine

Es gibt Rezepte mit Rührteig, die eine eher kuchige Konsistenz haben. Oder solche mit einem Boden aus gestampften Streuseln und einer Quarkfüllung. Der hier aber, der sollte richtig fett bepackt sein mit Äpfeln – fast schon gesund. Nur eine dünne Schicht Mürbeteig, der Rest dampfgegarte Äpfel, die Zwischenräume mit einem Eier-Rahm-Guss gefüllt, das Ganze mit einem Streuseldeckel dicht gemacht. Der weiter unten beschriebene Back-Aufbau mit Tortenring und gelochter Backschale trägt das Seine dazu bei, dass auch hier der Teig überall perfekt durchgebacken wird.

Hier geht’s zum Rezept.

Backprobleme gelöst dank Profiutensilien


Nusstorte

Wie oft habe ich mich doch in den vergangenen Jahren über ein Problem geärgert, dessen ich partout nicht Herr werden konnte. Bei vielen Kuchen mit einem dicht in der Backform aufliegenden Mürbeteigboden bildete sich nach einer Viertelstunde Backzeit eine Luftblase zwischen Boden und Teig. Das Resultat: der Kuchen wölbte sich nach oben, die Oberseite bekam Risse, der Boden war nach dem Backen stellenweise noch halb roh.

Alle habe ich in meiner Verzweiflung gefragt, von denen ich mir Abhilfe erhoffte. Diverse Bäcker etwa, die eine perfekt durchgebackene Nusstorte präsentieren können. Ebenso den Backofenhersteller oder auch Myriam Zumbühl, das Gesicht der SRF-Backsendung „Myriam und die Meisterbäcker“. Alle haben sie mir auch bereitwillig Auskunft gegeben, genützt hat trotzdem keiner der Ratschläge etwas. Das grösste Ärgernis war jeweils die Bündner Nusstorte: die hat nicht nur einen Boden, sondern auch noch einen geschlossenen Deckel aus Mürbeteig, der durch die Aufwärtswölbung jedes Mal einriss.

Irgendwann kam ich auf die Idee, mir halt nochmals die Sendung anzuschauen, in der Meisterbäcker Giacometti aus Lavin die Herstellung seiner Bündner Nusstorte preisgab. Was mir auffiel: sie wurde in Tortenringen gebacken, die lose auf ein Backblech gelegt wurden. Allfällig entstehende Luftblasen können so offenbar seitlich entweichen. Die runden Backschalen, die ich verwende, schliessen den Boden aufgrund der hochgezogenen Seitenwände offenbar so dicht ab, dass Luft eingeschlossen bleibt. Ob ich diese Probleme erst habe, seit ich diese Backschalen verwende statt der Springformen mit bestimmt nicht luftdicht abschliessender Fuge? Ich weiss es nicht mehr.

Flugs bestellte ich drei verschieden grosse Tortenringe für verschieden grossen Appetit und machte mich umgehend ans Werk, nachdem ich das Paket erhalten hatte. Damit auch ganz sicher jegliche Luftblasen keine Chance haben, ging ich auf Nummer sicher und stellte den Ring auf ein gelochtes Pizzablech.

Tortenring

Meine Erwartungen waren riesig – und wurden vollumfänglich erfüllt. Eine Nusstorte ist mit dieser Kombination bei 220°C gerade mal noch 20 Minuten im Ofen, wird rundherum goldbraun und sämtlicher Mürbeteig durchgebacken. Die Füllung beginnt gar nicht mehr gross zu kochen, wie es vorher jeweils der Fall gewesen war, wenn ich die Torte lang und länger im Ofen lassen musste.

Ein zusätzlicher Vorteil der gelochten Backschale: es lässt sich optimal kontrollieren, wann der Boden die gewünschte Bräunung hat. Natürlich, die beim Backen im Mürbeteig schmelzende Butter sabbert aus den Löchern. Aber auch dieses Problem lässt sich lösen: einfach ein Backpapier auf den Grillrost legen. Das sammelt alles auf, bevor es auf den Ofenboden tropft und Rauch entwickelt.

Tortenboden